Auf eine Folie schauen Lernende ein paar Sekunden, dir hören sie die ganze Stunde zu. Eine Präsentation für den Unterricht ist deshalb kein an die Wand projiziertes Skript, sondern eine Stütze für das, was du sagst: ein Schema, ein Beispiel, eine Frage an die Klasse. Hier sind sieben Regeln, die in der Schule, an der Hochschule und in Firmenschulungen funktionieren, und ein Stundenaufbau, mit dem sich die Folien leicht planen lassen.
Regel 1. Beginne mit dem Lernziel
Bevor du irgendein Programm öffnest, vervollständige den Satz „Am Ende der Stunde können die Lernenden …“ – erklären, worin sich zwei Dinge unterscheiden, eine neue Art von Aufgabe lösen, drei Ursachen eines Ereignisses nennen. Das Ziel sagt dir, welche Folien du brauchst. Was nicht dorthin führt, kommt ins Zusatzmaterial.
Aus dem Ziel wird ein Ablauf: Einstieg, neuer Begriff mit Beispiel, Überprüfung, Zusammenfassung. Zeig diesen Ablauf auf der zweiten Folie, damit die Klasse immer weiß, wo ihr gerade seid und wie viel noch kommt.
Regel 2. Ein Gedanke pro Folie
Bei einer Folie mit drei Begriffen liest die Klasse schon den dritten, während du noch den ersten erklärst. Zerleg den Stoff in kleine Schritte: die Definition auf eine Folie, das Beispiel auf die nächste, die Ausnahme auf eine weitere. Richard Mayer und Roxana Moreno nennen das in ihrer Übersicht zur kognitiven Belastung beim multimedialen Lernen Segmentierung: Stoff in kleinen Teilen mit Pausen dazwischen wird besser verstanden als ein durchgehender Strom (Mayer und Moreno, 2003).
So bekommst du mehr Folien, und das ist in Ordnung. Zwanzig einfache Folien gehen schneller und ruhiger durch als sieben überladene.
Regel 3. Schrift, die man in der letzten Reihe lesen kann
Der Test ist einfach: Geh an die hintere Wand des Raums oder verkleinere die Folie auf deinem Bildschirm auf die Größe deiner Handfläche. Kannst du die Überschrift nicht lesen, ist sie zu klein. Für Geschäftspräsentationen hat Guy Kawasaki empfohlen, nie unter 30 Punkt zu gehen – mehr dazu in unserem Ratgeber zur 10-20-30-Regel. Für den Unterricht ist das ein guter Ausgangspunkt.
Große Schrift begrenzt auch, wie viel auf eine Folie passt: eine Überschrift und drei oder vier kurze Punkte. Den Rest sagst du selbst. Achte auch auf den Kontrast: Ein Beamer in einem hellen Raum wäscht blasse Farben aus, und Text auf einem unruhigen Foto ist selbst aus der Nähe schwer zu lesen.
Regel 4. Lies deine Folien nicht vor
Steht auf der Folie genau das, was du sagst, teilt sich die Aufmerksamkeit: Die Lernenden lesen und hören gleichzeitig und machen beides schlechter. Mayer und Moreno nennen das Redundanz – dieselben Wörter auf dem Bildschirm und gesprochen stören, statt zu helfen.
Lass die Folie zeigen, was sich schwer sagen lässt: ein Schema, eine Karte, ein Diagramm, ein Foto, ein Beispiel mit Zahlen. Eine kurze Zeile zum Abschreiben ins Heft ist in Ordnung – aber nur eine Zeile.
Regel 5. Ein Schema statt eines Absatzes
Zeig einen Prozess als Schritte mit Pfeilen, einen Vergleich als zwei Spalten, eine Geschichte als Zeitleiste mit Jahreszahlen. Setz die Beschriftungen direkt neben die Teile des Bildes statt in eine Legende darunter, damit die Augen nicht hin und her springen müssen. Und streich Dekoration, die nichts erklärt: Ein lustiges Bild „für die Stimmung“ konkurriert mit dem Schema daneben um Aufmerksamkeit. Beide Tipps stammen aus derselben Übersicht von Mayer und Moreno: Wörter nah an der Grafik, die sie beschreiben, und weniger überflüssiges Material auf dem Bildschirm.
Regel 6. Prüf das Verständnis zwischendurch
Heb nicht alle Fragen für das Ende auf. Stell der Klasse nach jedem neuen Begriff eine Frage: die richtige Antwort wählen, den Fehler finden, ein eigenes Beispiel nennen. Das ist mehr als eine Kontrolle. Schon das Erinnern festigt das Gedächtnis: In einem Experiment von Henry Roediger und Jeffrey Karpicke wussten Studierende, die sich nach dem Lesen eines Textes selbst abgefragt hatten, eine Woche später mehr als jene, die den Text nur noch einmal gelesen hatten (Roediger und Karpicke, 2006).
Eine gute Frage auf einer Folie hat Antwortmöglichkeiten, bei denen die falschen wie typische Fehler aussehen. Dann zeigen die Antworten der Klasse sofort, was nicht verstanden wurde und worauf du zurückkommen solltest.
Regel 7. Schließ mit Zusammenfassung und Hausaufgabe
Auf der letzten inhaltlichen Folie stehen die drei Kernaussagen der Stunde, nicht „Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit“. Danach kommen die Aufgabe und wo das Material zu finden ist. Öffnet sich die Präsentation per Link, können die Lernenden sie zu Hause auf dem Smartphone wiederholen, und wer gefehlt hat, kann nacharbeiten.
Der Stundenaufbau auf Folien
| Folie | Was darauf steht |
|---|---|
| Thema und Ziel | Der Titel und was die Lernenden am Ende können |
| Ablauf | Drei oder vier Schritte, damit die Klasse weiß, wo ihr seid |
| Einstieg | Eine Frage zu dem, was die Lernenden schon wissen |
| Neuer Begriff | Eine Definition in einfachen Worten und ein Beispiel aus dem Alltag |
| Schema oder Prozess | Wie es funktioniert – als Bild, nicht als Absatz |
| Vergleich | Wie sich das Neue von etwas Ähnlichem unterscheidet |
| Überprüfung | Eine Frage mit Antwortmöglichkeiten |
| Zusammenfassung und Hausaufgabe | Drei Kernaussagen und was bis zum nächsten Mal zu tun ist |
Wähle für den Unterricht eine Vorlage mit großer Schrift und starkem Kontrast – am Beamer verschwinden Blasses und Kleines zuerst.
So geht es in JamPres
- Zweck wählen. Wähle unter „Wofür“ den Punkt „Unterricht oder Vorlesung“: Die Gliederung folgt dann Begriffen mit Beispielen, einer Zusammenfassung und Fragen zum Verständnis.
- Thema oder Notizen einfügen. Klick auf „Gliederung erstellen“ und pass die Punkte an: Entferne, was du nicht brauchst, ergänze einen Einstieg oder ein weiteres Beispiel.
- Folien erstellen. Wähle im Schritt „Stil“ eine Vorlage und klick auf „Folien erstellen“. Vorlage und Farben kannst du später im Editor ändern.
- Umfrage hinzufügen. Öffne in der unteren Leiste des Editors „Weitere Blöcke“ und wähle „Umfrage“: eine Frage und zwei bis sechs Antwortmöglichkeiten. Umfragen gibt es ab dem Tarif Base.
- Veröffentlichen und unterrichten. „Veröffentlichen“ gibt dir einen Link. Öffne auf der Seite der Präsentation „Präsentieren“: Die Lernenden stimmen über den Link auf dem Smartphone ab, und du siehst die Ergebnisse live.
So sieht eine Folie mit Umfrage für Lernende aus: Sie wählen eine Antwort und sehen, wie die Klasse abgestimmt hat. Stellst du „Ergebnisse für Zuschauer“ auf „Nicht zeigen“, siehst nur du die Ergebnisse.
Auch eine Antwort lässt sich verstecken: Schalte bei einem Absatz oder einer Liste „Unter ‚Mehr‘ einklappen“ ein, und der Text öffnet sich per Klick. Unter „Weitere Blöcke“ gibt es außerdem „Tabs“ und „Countdown“ – sie funktionieren in jedem Tarif. Die „Analyse“ zeigt, wie oft das Material geöffnet wurde, und ein PDF für Handouts kannst du in jedem Tarif herunterladen (in Free mit JamPres-Zeichen).
Füg ein Thema oder deine Stundennotizen ein – Gliederung und Folien sind in etwa einer Minute fertig.
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